ÖAW acdh
ACDH-CH - AUSTRIAN CENTRE FOR DIGITAL HUMANITIES AND CULTURAL HERITAGE

Das WBÖ ist in doppelter Hinsicht ein Langzeitprojekt: 1912/1913 wurden die Wörterbuchkanzleien in Wien und München gegründet. Ab 1913 wurden Sprachdaten für das WBÖ erhoben. Von 1965-2015 wurden die ersten fünf Bände des WBÖ publiziert. Seit Ende 2016/Anfang 2017 wird in der Abteilung VaWaDiÖ das WBÖ-online im Rahmen des Langzeitforschungsprogramms der ÖAW erarbeitet.

Für das WBÖ wurde v. a. in der Zeit von 1913-1965 eine eigene Materialsammlung (der sog. „Hauptkatalog“) erstellt, die bis heute als Grundlage für die Wörterbuchartikel dient. Die Sprachdaten für den Hauptkatalog wurden von ExpertInnen und dialektkompetenten Freiwilligen gesammelt (vgl. Materialbasis). In diese Sammlung wurden auch Sprachdaten aus anderen Quellen, v. a. Dissertationen zu einzelnen Orten/Mundartgebieten, aufgenommen.

 

Das WBÖ ist das Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich. Vorarlberg gehört zu Österreich, aber sprachlich gesehen zum alemannischen Sprachraum. Ausführlichere Informationen zum Bearbeitungsgebiet finden Sie hier

Im WBÖ gilt das sog. Grundwortprinzip, d. h. in einem Artikel werden im Rahmen der Wortbildung zu einem Lemma nur diejenigen Komposita bearbeitet, bei denen das Lemma das Grundwort ist. Das Kompositum Filmschauspieler bzw. Filmschauspielerin wird damit erst bei Spieler/-in behandelt. Außerdem erscheinen in einem Artikel auch diejenigen Ableitungen, bei denen das Lemma die Basis ist (z. B. abfotografieren im Artikel fotografieren).

Das „Lexikographische Informationssystem Österreich (LIÖ)“ dient als Publikationsplattform für die Wörterbuchartikel des WBÖ-online. Darüber hinaus kann über LIÖ auch die Datengrundlage des WBÖ-online, der digitalisierte Hauptkatalog, abgerufen und für weitere Forschungen genutzt werden. Über diese Datenbank sind auch die Sprachdaten zugänglich, die aufgrund von Straffungskonzepten nicht mehr in die Artikel des WBÖ-online einfließen (z. B. historische Belege und Belege aus den Sprachinseln).

LIÖ ermöglicht es, das WBÖ-online nicht nur über die Wörter/Lemmata zu durchsuchen, sondern auch über die geographische Verortung (Ort/Region), die Bedeutungen, Lautvarianten, Kontexte und die Fragebogennummer. 

Über LIÖ können Informationen aus den Wörterbuchartikeln und der Datenbank auch auf Karten visualisiert werden.

LIÖ bietet zum einen den klassischen Zugang zum WBÖ über das Wort (Lemma). Darüber hinaus kann aber auch nach Lautvarianten, der geographische Verortung (Ort/Region), nach Bedeutungen, Kontexten und den Fragebogennummern (der ursprünglichen Datensammlung) gesucht werden.

In der „Belehrung für die Sammler des bayrisch-österreichischen Wortschatzes“ von 1913 heißt es:

Für die Schreibung der mundartlichen Wörter gelte als allgemeiner Gesichtspunkt, einerseits daß das Schriftbild ihrer mundartlichen Lautung möglichst nahe komme, anderseits daß die mundartlichen Laute mit den Buchstaben des gewöhnlichen schriftdeutschen Alphabets […] wiedergegeben und davon abweichende Buchstaben nur verwendet werden, soweit jenes zur Unterscheidung der Laute nicht ausreicht. Und die Hauptregel ist, sorgfältig darauf zu achten, daß ein und dasselbe Zeichen nicht für verschiedene Laute verwendet werde und daß Zweifel bezüglich der Auffassung des Lautwertes möglichst ausgeschlossen bleiben.

Mit sog. diakritischen Zeichen sollten die SammlerInnen z. B. die Länge (ā) bzw. Kürze (ă) von Vokalen, den Öffnungsgrad von Vokalen (z. B. å, ą, ė) oder die Nasalierung (an) sowie den Aus- oder Abfall von Konsonanten (schraibm) notieren. Auch wenn damit eine einheitliche Transkription angestrebt wurde, so ist die folgende Einschränkung zu beachten:

Sammler, denen die folgerichtige Anwendung der vorstehenden Regeln im ganzen oder einzelnen dauernde Schwierigkeiten bereiten, Hemmnisse, Verzögerungen in Beobachtung und Mitteilung des Wortschatzes selbst verursachen würde, können einer einfacheren, ihnen bequemeren Schreibung sich bedienen, die ihnen ganz frei gestellt wird, soferne sie nur der an der Spitze der Anleitung stehenden Hauptregel eingedenk bleiben, die Schriftzeichen möglichst eindeutig zu gebrauchen.

Darüber hinaus wurde von ExperInnen für die Transkription die sog. Wiener Teuthonista verwendet oder (v. a. in Dissertationen) angepasst.

Eine Übersicht über die im WBÖ-online verwendeten Transkriptionszeichen finden Sie hier.

XML (Extensible Markup Language)  ist eine gerät-, system- und programmunabhängige Codierungs-Metasprache, um Texte (im weitesten Sinn) in elektronischer Form zu speichern und zu verarbeiten. XML hat sich inzwischen als Kommunikationsstandard etabliert und wird z. B. auch von vielen Web-Applikationen als Austausch- und Kommunikationsformat verwendet.

Den einzelnen Elementen der Texte werden dabei hierarchisch strukturierte Tags zugewiesen (z. B. place). Über diese Tags wird die Interpretation der Textdaten explizit gemacht. Schließlich kann dann allen Elementen, die im Text mit identischen Tags ausgezeichnet sind, eine einheitliche Formatierung zugewiesen werden. So erscheinen beispielsweise in den WBÖ-Artikeln alle Ortsdaten in einer kleineren Schriftgröße und in einer helleren Schriftfarbe als der andere Text. Gleichzeitig ermöglicht diese Auszeichnung über Tags auch die gezielte Suche nach z. B. Ortsangaben in der Datenbank sowie die Darstellung der regionalen Angaben (auch hierarchisch gegliedert von der Gemeinde zum Bundesland) auf den Karten.

Die Text Encoding Initiative (TEI) ist eine Arbeitsgemeinschaft, die einen gemeinsamen, auf XML basierenden Standard für die Darstellung von digitalen, maschinenlesbaren Texten entwickelt. Nach diesem Standard, der in den Geistes- und Sozialwissenschaften inzwischen weit verbreitet ist, sind auch die Wörterbuchartikel im WBÖ getaggt.

Wie in der Einleitung zum ersten WBÖ-Band (vgl. S. 13, §6d 2) erläutert, werden die anlautenden Buchstabenpaare B/P (b/p), F/V (f/v) und D/T (d/t) jeweils zusammen behandelt, und zwar unter B (b), F (f) und D (d). Das bedeutet, dass in den bereits publizierten WBÖ-Bänden auch schon Wörter mit P (Band 2 und 3) und T (Band 4 und 5) beschrieben sind. Für das WBÖ-online werden die im Standard vorhandenen Wörter (auch Fremdwörter) entsprechend der Standardorthographie angesetzt. Für Wörter, die es nur im Dialekt gibt, wird eine historisch-etymologische Form konstruiert, die so auch in der Standardsprache vorkommen könnte.

1912/13 wurden die Wörterbuchkanzleien in Wien und München gegründet, um ein gemeinsames bayerisch-österreichisches Dialektwörterbuch zu schreiben. Ab 1913 sammelten die beiden Kanzleien das Material für das „Bayerisch-österreichisches Wörterbuch“ mithilfe derselben Fragebögen. Aus verschiedenen Gründen wurden die Arbeitsstellen 1954 getrennt.

Im Gegensatz zum WBÖ erhebt das BWB bis heute Material über Wörterlisten nach. Aktuell liegen Wörterbuchartikel bis Dattel in Buchform und bis Heft 23 ([Rot]dacher - tamig) als pdf-Dokumente vor. Digital kann auf den Datenbestand zugegriffen werden.

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